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Was, Du willst Dein Kind auf DIESE Schule schicken?
von Mama aus Kreuzberg 06.05.2010 | 21:47
Ich kenne mehrere Familien, die einen realen Umzug planen einzig aus dem Grund, dass sie ihr Kind nicht auf die betreffende Einzugsgrundschule schicken wollen. Es hat sich ja rumgesprochen, dass die Ämter jetzt genau gucken, wer wo wieso gemeldet ist. Wozu das alles? Viele Grundschulen könnten ein bisschen Wettbewerb gut gebrauchen, in den Kitas sieht man, dass das hilft. Andere Schulen scheuen vor eigener Profilgebung zurück, weil sie Angst vor Klagen von Eltern im Einzugsgebiet haben, die vielleicht keinen Platz mehr bekommen würden, wenn zum Beispiel gezielt nach musikbegabten Schülern gesucht würde. Die Schulwahl sollte auch für die Grundschule frei sein, zumindest auf einem Umkreis von knapp zehn Kilometern - soweit müssen anderswo ja auch Kinder fahren, um zur Schule zu kommen. Mit der jetzigen Regelung sorgt man nur dafür, dass diejenigen, die können, noch eher aus Kiezen mit Problempotenzial wegziehen.




Kommentar
Wettbewerb unter Grundschulen
von Moderation   |   07.05.2010 | 11:34
Hallo Mama,

Danke für Ihren Beitrag. Haben Sie Beispiele für Kitas, die durch Wettbewerb besser geworden sind?

Wie stehen die andere TeilnehmerInnen dazu? Würde mehr Wettbewerb unter Grundschulen Berlin familienfreundlicher machen?

Mit freundlichen Grüßen,



J. Heaven
(Moderation)
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von Beate Krusche   |   07.05.2010 | 19:24
Ich bin nicht überzeugt davon, dass Wettbewerb die Qualität der Schulen steigert. Es gibt immer Schulen mit unterschiedlichem Profil und auch Schulen, die sehr begehrt sind. Ich kenne Schulen, die zusammenarbeiten, Lehrer dort gemeinsame Fortbildungen besuchen und auch die Schulleiter untereinander Informationen austauschen. Für mich sind Schulen immer so gut, wie ich es "zulasse" und ich mich dort auch selber engagiere. Wichtig ist mir, dass meine Kinder gut klarkommen und die Lehrer mit den Eltern zusammenarbeiten. Transparenz der Schule, Mitarbeit der Eltern und Engagement der Lehrer halte ich für die Qualität der Schulen meiner Kinder wichtiger als Wettbewerb. Ich habe meine beiden jüngsten Kinder auf ein wohnortnahes Gymnasium geschickt, das auf den ersten Blick ein schwaches Profil hatte und dann immer mehr die Qualitäten von Schulbetrieb, Schulleitung und einzelnen Lehrern erkannt. Vorher war eines meiner Kinder auf einer Grundschule, die einen ausgezeichneten Ruf hatte und wir haben recht schnell gemerkt, dass diese Schule auch "nur mit Wasser kocht".
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von Mama aus Kreuzberg   |   07.05.2010 | 20:57
Lieber Herr Heaven,
als mein erstes Kind einen Kitaplatz brauchte, war von Babyboom noch keine Rede, an den Ampeln hingen dauernd Zettel: Kinderladen sucht noch Zweijährige o.ä. Ein paar Kitas waren gleichzeitig sehr beliebt und ausgebucht wie die in der Schöneberger Crellestraße. Die Kita meines Sohnes hat dann beschlossen, sich ein Profil zu geben, das viele Eltern anspricht. Nun ist sie auch sehr beliebt und das zu recht. Ein anderer zuvor mit nur-deutschen Kindern bevölkerter Kinderladen in Schöneberg hat beschlossen, auch bei Migrantenfamilien zu werben und sich interkulturelle Kompetenz anzueignen. Namen nenne ich jetzt aber nicht. Erst wenn sich was tun muss, tut sich meist auch was, und wenn es nur darum geht, dass die Schulsekretärin wieder ans Telefon geht. Und Profil bringt viel: Setz eine französische Schule ins Rollbergviertel, und Neukölln macht wieder was her.
Das mit dem guten und schlechten Ruf ist hingegen so eine Sache. Es braucht nur ein Schüler einmal zu kiffen und schon heißt es, an der Schule gibt es Drogen. Da sollte man schon selbst vorbeischauen und sich ein Bild machen. Aber wenn man in Berlin schon den Vorteil einer dichten Infrastruktur hat, warum sollen die Eltern dann wie auf dem Lande, wo es nur eine Schule in der Nähe gibt, bei der Grundschulwahl keine Mitsprache haben?
Wettbewerb
von Heinrich   |   09.05.2010 | 21:51
Bei einer internen Probeabstimmung auf einer Elternkonferenz in der Kita meiner Kinder, haben knapp die Hälfte der Eltern angegeben, über einen Umzug nachzudenken, um ihre Kinder nicht auf die ihnen zugewiesene Schule schicken zu müssen. Der Druck auf die Eltern ist enorm; es wissen schließlich alle, dass Bildung der Schlüssel der Zukunft ist. Um so absurder ist es, dass Eltern gerade an dieser Stelle die Freiheit beschnitten wird, zu versuchen, das jeweils beste für ihre Kinder zu bekommen.
Es ist ja möglich, dass es bei Herstellung der Wahlfreiheit Schulen gibt, auf die keiner seine KInder schicken will. Dann stimmt aber etwas mit diesen Schulen nicht und es liegt nicht an den Eltern.
Wird der Wettbewerb geöffnet, sind die Schulen motiviert, sich attraktiv zu präsentieren, wohl wissend, dass einigen auch die Mittel fehlen, um eine ihrer Schülerklientel angemessene Zahl an Sozialarbeitern, Spracherziehern etc. einzustellen. Das wäre dann Aufgabe der Landespolitik, Schulen auch in die Lage zu versetzen, zu "guten" Schulen zu werden, indem z. B. Schulöffnungen vorangetrieben werden. Die Rütlischule zeigt ja, dass Schulen sich wandeln können. Aus einer Problemschule wurde mittlerweile eine attraktive und begehrte Schule.
Derzeit hängt es am Geldbeutel der Eltern und ihrer Mobilität: Wer es sich erlauben kann, zieht dahin, wo er seinen Kindern gute Schulen bieten kann. Wer das nicht kann, bleibt eben da, wo der Zuall ihn hingetrieben hat und muss dann schlicht Glück haben. Der Pädagogik Professor Albert Scherr sagte vor zwei Jahren zu dieser Situation: Die Eltern haben sechs Jahre Zeit, ihre KInder so fit zu machen, dass selbst die Schule sie nicht kaputt kriegt. Ich denke, dass kann es nicht sein und die bisherige Praxis entmündigt die Eltern und schützt lediglich die schwachen Schulen, ohne dass es den guten Schulen helfen würde.
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von Prof. Dr. Uslucan   |   10.05.2010 | 10:31
Gerade diese Regelung - freie Grundschulwahl- könnte folgenden Prozess noch verstärken: 1. Es werden die bildungsbürgerlichen deutschen Mittelschichteltern weitestgehend davon Gebrauch machen.
2. Die in der Wohngegend vorhandenen Schulen werden noch stärker ethnisch oder schichtspezifisch homogen sein.
3. Die zumindest in der Grundschule noch einiger Massen gut laufenden Kontakte zwischen Einheimischen und Kindern mit Migrationshintergrund werden noch geringer werden.
4. Der Wettbewerb/Konkurrenzgedanke in diesen Schulen, auf die dann die Eltern ihre Kinder schicken, wird deutlich stärker sein.
Schade,
von iko   |   11.05.2010 | 13:10
daß ich den Herrn Prof. Uslucan verpasst habe.

Ich bin mir nicht so sicher, ob seine Voraussage zutreffend ist, denn schon heute wissen die bildungsbürgerlichen deutschen Mittelschichteltern zu verhindern, dass ihre Kinder allzu viel Kontakt zu Migrantenkindern haben. Wenn sie überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt in Kreuzberg, Neukölln oder Wedding gewohnt haben suchen sie eben spätestens zur Einschulung das Weite, dann aber richtig nach Pankow, Zehlendorf oder gleich in den Speckgürtel. Wenn man die freie Wahl hätte, würde man vielleicht nicht die Einzugsgebietsschule nehmen, aber eine Schule in der Nähe mit einem besonderen Profil, einem guten Ruf, einem niedrigeren ndH-Anteil. Jedenfalls würde man nicht wegziehen. Schulen die gar nichts vorzuweisen haben, hätten Schwierigkeiten Schüler zu rekrutieren, aber das haben sie heute doch auch schon. Nur gehen die Unzufriedenen nicht nach nebenan sondern weit weg. Damit wird die Schicht- und Sprachvielfalt nicht nur in der Schule sondern auch im Wohnumfeld reduziert. Andersherum würden Schulen mit besonders gutem Ruf es womöglich schaffen Bildungsbürger ins Migrantenviertel zu locken, welch verwegener Gedanke!

Wettbewerb ist nicht per se etwas Schlechtes.

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