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Europa- und Levanteschulen
von Wendula Strube 19.04.2010 | 10:42
Merkel und Erdogan stritten kürzlich über Türkische Gymnasien in Deutschland, dabei gibt es bereits Möglichkeiten, die ausbaufähig sind. Die Zauberworte heißen Respekt, Europa- und Levanteschulen.

Seit ca. sieben Jahren stelle ich beharrlich diese Forderung für den Ausbau dieser Schulform, für eine bessere Beschulung der Türkisch- und Arabischstämmigen Kinder in unserem Kiez im Wedding und wurde dafür oft ausgebuht. Als moderne zukunftsorierentierte Frau muss ich zudem auch noch zusehen, wie die eher konservative Angela Merkel meine Pläne umsetzen wird, als die Parteien, die sich für fortschrittlich halten. Seit Jahren schreibe und fordere ich immer wieder dasselbe. Ein Nebeneffekt ist die Ansiedlugn des Mittelstands in der nahen Umgebung von bisherigen Europaschulen. So gäbe es automatisch eine Strukturverbesserung im Bezirk Wedding, der zu mehr dringend benötigten Steuereinnahmen führen würde.

Und ich bleibe dabei, wenn wir Verbesserungen wollen, müsssen wir auf die Kinder zugehen und sie vorerst dort abholen, wo sie z. Z. stehen, nämlich in ihrer Sprachen-Isolation inmitten unter uns Deutschen, die sie selbst, verursacht durch ihre Eltern, nicht überwinden werden. Darum sollten wir Deutsch-Türkische Europaschulen und Deutsch-Arabische Levanteschulen im Wedding sofort zur Verfügung stellen. Es ist das beste Mittel, wie wir Migranten in unserem System binden und was wir ihren Kinder bieten können, um den Anschluss an das Deutsche Schul- und Bildungssystem zu gewährleisten.

Warum ich diese Möglichkeit am Besten finde, schildere ich nun:

• Die Herkunfts- oder meist Muttersprache der Kinder von Migranten, wird zunächst richtig erlernt. Diese Vorraussetzung ermöglicht es, weitere Sprachen zu lernen. Ohne Muttersprache kann keine weitere Sprache richtig erlernt werden, das ist wissenschaftlich fundiert.

• Die Kinder lernen in „ihrer“ Sprache lesen und schreiben, mit „ihrem“ kulturellem Background, den sie in Deutschland nur vom Hörensagen kennen lernen. Denn auch die jeweilige Landeseigene Kultur wird in einer bilingualen Schule automatisch vermittelt.

• Selbstverständlich lernen die Kinder spätestens ab der zweiten Klasse unser deutsches Alphabet und nebenher die deutsche Schrift- und die richtige Sprachweise. So werden Kinder z. Z. in den existierenden Europaschulen beschult, die in Deutschland bereits (oder sollte man besser sagen erst?) ca. 36 Mal existieren.

• Sie erlernen leider z. Z. noch in deutscher Sprache die Mathematik, was m. M. n. völlig unlogisch erscheint, da fast alle anderen Sprachen die Zahlen in ihrer tatsächlichen Reihenfolge sprechen. Fast nur in der deutschen Sprache werden zuerst die hintere Zahl und zuletzt die vordere Ziffer genannt, beginnend mit der Ziffer 12. Dadurch wird zusätzlich den Kindern von Migranten ein immens schweres Hindernis aufgestellt.

• Vom Hörensagen werden oft Märchen und Fehlinterpretationen über geschichtliche Ereignisse überliefert. Es führt zu romantisierten Vorstellungen von den Herkunftsorten und zu beschönigenden Gräueltaten der Vergangenheit, die wir selbst kennen. Es gibt in jedem Volk die „guten, alten und besseren Zeiten“.

• Die Kinder von bisher nicht integrierten Migranten könnten in „ihrer“ Sprache lernen und müssten nicht eine „fremde“ Sprache neu, falsch und brüchig lernen, so wie es bisher für sie der Fall ist.

• Dadurch hätten diese Kinder mehr Erfolgserlebnisse und sie wären viel entspannter und weniger frustriert.

• Die Kinder von Migranten könnten besser zum Erfolg der Klassen beitragen, sie fühlten sich ernst genommen.

• Sie bräuchten sich weniger durch Gewalt Luft machen, was dem friedlichen Miteinander dienen würde.

• Die Eltern dürften nun endlich ihre Kultur an uns herantragen. Durch das Geben und Nehmen erhielten die Erwachsenen Respekt, denn bisher prägen uns mehr Vorurteile als kultureller Austausch obwohl wir uns seit mehr als vierzig Jahren begegnen. Die Achtung, die Migranten zusteht, ist ihnen bedingt durch die Stellung als Bittsteller in unserer Gesellschaft bisher fast völlig versagt worden.

• Da Ansehen immer im Gegenzug erbracht wird, könnten wir das Selbe nun auch von ihnen erwarten, ein besseres Aufeinanderzugehen ist die Folge der Europa- und Levanteschulen.

• Viele Kinder könnten sich durch diese hervorragende Ausbildung bis zum Abitur und darüber hinaus weiterbilden und das sogar in „ihrer“ Sprache.

• Mädchen könnten diese Chancen nutzen und endlich den Männern das Kopftuchtragen überlassen, wenn sie es wollen. Einzig allein eine gute Bildung verschafft bekanntlich „Aufklärung“ und persönliche Freiheit.

• Die Kinder hätten als Erwachsene die Wahl, ob sie vielleicht in ihre Herkunftsländer zurückgehen möchten, die haben sie bislang nicht, weil sie auch in ihren Herkunftsländern faktisch marginalisiert und Migranten sind. Bisher kam ja noch niemand auf die Idee sie zu fragen, ob sie unbedingt hier bei uns Deutschen leben möchten, wo wir in vielerlei Hinsicht nicht gerade nett mit Kindern und Migranten umgehen.

• Die Kinder könnten endlich in den Genuss besserer Berufsausbildungen und Studien kommen.

• Die Kinder von Migranten würden eher nicht mehr beim Sozialamt oder schlimmer noch, chancenlos als Kriminelle enden. Es kommt kein Mensch auf die Welt und behauptet, er möchte gerne Hartz-IV-Empfänger oder Rechtswidriger werden. Jeder Mensch will Prinzessin oder Ritter, Feuerwehrmann oder Krankenschwester, Lehrerin oder Kindergärtner werden und vor allen Dingen will jeder Mensch in seiner Kindheit eine Familie mit einem „Haus am See“ haben. So viel zu den Vorteilen für die Kinder von türkischen und arabischen Migranten. Und was haben wir Deutschen davon?

• Wenn die deutschen Kinder in den Europa- und Levante-Schulen in Türkisch u. Arabisch ausgebildet werden, können unsere Kinder nach dem Studium oder nach der Ausbildung mit den reichsten Staaten der Welt verhandeln, z. B. den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Kuwait.

• Die türkische Sprache dient dabei als Brückenschlag zwischen unserer und der moslemisch- islamischen Gesellschaft. • Die arabische Sprache bringt uns dann direkt zu den reichsten Handelspartnern der Welt.

• Die Europa- und Levante-Schulen werden uns eher mit den Arabischen und Türkischen Migranten ins Gespräch bringen als bisherige Versuche.

• Außerdem wissen alle, dass die letzten Erdölvorkommen u. a. im Osten lagern, dort gehandelt und gefördert und die kommenden Kriege wegen der letzten Reserven geführt werden. Durch unser Engagement könnte das verhindert werden.

• Z. Z. verbauen wir unseren eigenen deutschen Kindern Zukunftschancen, weil wir die Schere im Kopf stecken lassen und fälschlicher Weise denken, dass es gute und schlechte Fremdsprachen gäbe. Die guten sind Englisch, Spanisch, Französisch, die schlechten hingegen Türkisch und Arabisch. Diese langlebigen Vorurteile resultieren aus der Kolonialzeit, vergessen aber, dass wir weit von Kolonien entfernt sind, abgesehen davon, dass wir gerade im Wedding einige Straßen nach unseren alten Kolonien benennen. Die muslimischen Länder Nordafrikas fordern längst von ihren Kindern Zweisprachigkeit in den Schulen, eben wegen der vergangenen Kolonialzeit, so wie z. B. in Algerien. Die algerischen Kinder, die Arabisch und Französisch in der Schule lernen, sind doch sprachlich klar im Vorteil gegenüber unseren Kindern oder nicht?

Vielleicht fällt Ihnen selbst noch etwas ein, Sie dürfen gerne ergänzen.

Ich meine, dass die o. g. Argumente ausreichen, um mindestens vier der jeweils genannten Schulen sofort zu gründen. Möglichst in den Brennpunkten Wedding, Kreuzberg und Neukölln. Zuerst muss Überzeugungsarbeit bei den jeweils betroffenen Migrantengruppen und bei Deutschen Eltern geleistet werden. Migranten mit denen ich gesprochen habe, zeigen inzwischen Angst, ihre eigene Sprache in Deutschland von ihren Kindern erlernen zu lassen. Wir sagen ihnen, lernt Deutsch, lernt Deutsch… aber das ist nicht der richtige Weg für diese Kinder.

Wir leben in der Europäischen Union und die Globalisierung steht im Vordergrund bei Berufschancen, wir können das Rad nicht zurückdrehen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir unseren Wohlstand Ali u. Ayshe zu verdanken haben. Sie kamen zu uns und haben ihre Heimat hinter sich gelassen, sie waren und sind fleißig. Jedes Kind in der Gesellschaft hat es verdient, dass es in Würde beschult wird und nicht seines wichtigsten Instrumentariums beraubt wird, seiner Herkunftssprache.

Wenn wir weiterhin massenweise Kinder und deren Zukunft ab dem fünften Lebensjahr „mundtot“ machen, werden sie uns als Erwachsene schelten, weil sie sich lange Zeit nicht artikulieren durften. Ich vertraue auf die Mitmenschlichkeit und die Liebe, die uns alle trägt, wir sind alle aufeinander angewiesen. Die Liebe ist ein Teil unseres Grundwertes, dass als GG von Menschen niedergeschrieben wurde, die nach dem zweiten Weltkrieg hohe Verantwortung trugen. Und weil ich, wie sie, unser GG liebe und achte, werde ich für dieses GG eintreten und wie für einen heiligen Gral dafür ringen, dass das Schubladendenken abgebaut und der sich immer mehr verbreitende Rechtspopulismus an die Seite gedrängt wird.

Unsichtbare Schlagbäume müssen aufgeschlagen werden, die einem großen Teil unserer Gesellschaft bisher wie ein undurchdringlicher Wall erscheinen muss, dem kein Visums- oder Aufenthaltsgenehmigungsstempel zum beruflichen Aufstieg verhilft. „Break down the wall!“





Kommentar
Prioritäten setzen
von Single-Dad-Berl in   |   27.04.2010 | 11:23
Wer nach USA auswandert, will Amerikaner werden. Wer nach Kanada auswandert, will Kanadier werden. Warum klappt das nicht bei den von Ihnen angesprochenen arabisch oder türkisch stämmigen Migranten nicht?
Bei anderen Volksgruppen scheint der Ruf nach Bildung angekommen zu sein. Meine älteste Tochter hat verschiedene Migrantengruppen in ihrer Klasse. Zu den fleissigsten gehören Polen, Inder und Chinesen. Warum klappt das bei den Türken und Arabern nicht, vor allem bei Jungs? Sie bekommen in den Kopf gesetzt, dass eine Frau minderwertig sei. Deshalb nehmen sie von den überwiegend weiblichen Lehrpersonal nichts an. selbst meine Tochter wurde abwertend behandelt, bis ihr es zu bunt wurde und einigen dieser Machos eine Flugstunde erteilt hatte. wer Wind säht, muss damit rechnen, Sturm zu ernten. Ich finde es traurig, dass ich meine Töchter in Selbstverteidigung ausbilden muss, weil weder Lehrer noch Politik es fertig bringen, mittelalterliches Wertdenken aus den Köpfen dieser Integrationsverweigerer zu bekommen.
Wo also werden diese Menschen am Besten integriert? Wie Sie schon erwähnten: dort, wo man ihre Sprache spricht.
Das hätte den Vorteil, dass Kinder, die lernen wollen, nicht durch Bremser abgehalten werden.
Bevor sich jetzt jemand hier aufplustert: ich bin ebenfalls im zarten Alter von 6 Jahren nach Deutschland gekommen, ohne ein Wort deutsch zu können...
bitte keine Verallgemeinerungen
von Moderation   |   27.04.2010 | 12:06
Hallo Single-Dad-Berlin,

zugunsten einer konstruktiven Gesprächsatmosphäre ich möchte Sie bitten, von solchen Verallgemeinerungen abzusehen. Es gibt in jeder Bevölkerungsgruppe diese und jene Personen, die so oder anders handeln.
Eine Verallgemeinerung auf der Basis der Herkunft ist weder hilfreich, noch fördert es ein konstruktives Gespräch.

Viele Grüße,
B. Hohberg (Moderation
Verallgemeinerung
von Single-Dad-Berl in   |   27.04.2010 | 15:10
dann lade ich Sie gerne mal in die Mercatorschule oder in die Giesensdorfer Schule ein, um eine Idee von den Verallgemeinerungen zu bekommen.
Allgemeines Schönreden bringt uns dahin, wo wir jetzt sind: am erzieherischen Offenbarungseid.
Wenn dann der türkische Ministerpräsident hier auch noch Forderungen stellt, selbst aber zum Boykott von Integration aufruft, dann, mit Verlaub, würde ich ihm höflich aber bestimmt die Tür zeigen.
Alles schön reden zu wollen ist nicht gut. Wenn zwanghaftes Multi-Kulti-Denken und das eigene historische schlechte Gewissen dazu führt, die eigene Identität komplett aufzugeben, dann öffnet man damit Extremisten beider Seiten Tür und Tor. Ein bisschen eigene Meinung wäre hier nicht verkehrt...
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