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Finnische Verhältnisse
von Beate Krusche 19.04.2010 | 08:50
Lehrer fehlen insgesamt. An allen Schulen wird beklagt, dass Unterricht ausfällt, die Klassen zu groß sind, auch im weitläufigen Umfeld von Berlin, aus dem ich stamme. Finnische Verhältnisse (Pisa-Sieger, kleine Klassen, "Experten" kommen in die Schulen, sehr gute Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule, höheres Ansehen des Lehrerberufes, Investition in Bildung u.v.m.) lassen träumen, werden aber nur marginal umgesetzt und nur mit viel Enthusiasmus. Ich schöpfe meinen Enthusiasmus in der Elternarbeit. Durch das Verzahnen von Elternhaus und Schule, Öffnung und Transparenz auf beiden Seiten, gibt es viel mehr Möglichkeiten für Kinder. Mein Wunsch an die Bildungspolitik ist dabei aber auch, trotz Geburtenrückgang keine Lehrerstellen zu streichen, mehr Gesamtschulen entstehen zu lassen, die Klassen nicht erst bei einer Größe von 30 Kindern zu teilen und Schule und Bildung für alle möglich zu machen, angefangen beim kostenfreien Mittagessen und Lehrmittelfreiheit.




Kommentar
bringen kleinere Klassen nichts?
von somed   |   19.04.2010 | 11:50
Das ist legen zumindest Ergebnisse einer aktuellen Studie nahe:

 Link
kleinere Klassen
von Semi   |   19.04.2010 | 13:08
na klar, aber das hieße auch mehr Lehrkräfte. Und dafür ist scheinbar kein Geld da.
Lehrermangel
von iko   |   19.04.2010 | 15:57
Das Problem ist ja nicht nur das fehlende Geld, sondern auch der fehlende Lehrernachwuchs. Der Beruf ist hierzulande leider sehr unattraktiv geworden. Bezahlung und Ferienzeiten sind schon o.k., aber wer will sich schon ständig als faul und unfähig hinstellen lassen. Da ließe sich sicher eine Menge von Finnland lernen.
Finnland
von Beate Krusche   |   19.04.2010 | 16:44
...bezogen auf den letzten Kommentar von Iko: Vón Finnland lässt sich ne Menge lernen! Kleine Klassen alleine reichen in der Tat nicht aus, aber wenn große Klassen "klein gemacht" werden, indem mehrere Lehrer, Sozialpädagogen, pädagogische Mitarbeiter, Ergotherapeuten, Logopäden, Förderschullehrer usw. zusammen in einer Klasse unterrichten, hat es den Vorteil, dass nicht ein Lehrer verantwortlich ist, sondern auch gegenseitig intern hospitiert wird. So ist es in Finnland. Ich habe in Hämelinna Schulen besucht, die Unterricht so praktizieren. Auch dort sind über 20 Kinder in einer Klasse, aber auch bis zu 4 Pädagogen. Die Lehrerausbildung ist aber auch nicht vergleichbar mit unserer.
Lehrerausbildung
von Moderation   |   19.04.2010 | 17:21
Hallo Frau Krusche,

vielleicht können Sie uns noch ein bisschen dazu erzählen, inwiefern die Lehrerausbildung in Finnland sich von unserer unterscheidet?

Viele Grüße,
B. Hohberg (Moderation)
Finnland
von Semi   |   19.04.2010 | 17:22
das klingt traumhaft. Allerdings habe ich gelesen, dass die Verhältnisse in Finnland mit den unsrigen nicht vergleichbar sind. So gibt es dort wohl viel weniger Kinder mit Migrationshintergrund, wodurch sich eine andere Ausgangslage ergibt.

Was mich sehr interessiert, ist die Frage, wie das in Finnland finanziert wird?
Details
von Beate Krusche   |   19.04.2010 | 17:46
Liebe Frau Hohberg,

gerne!! erzähle ich von Finnland. Ich war zwar nur 4 Tage im Oktober 2009 dort, habe mein schulisches Herz aber dort gelassen. Laut Schulleiter ist die Lehrerausbildung zunächst für alle Lehrer gleich. D.h. ob Lehrer für Kindergarten (sind dort nicht "nur" Erzieher), Grundschule, Gymnasium, Förderschule....alle machen eine Grundausbildung an der Uni und spezialisieren sich erst danach. Die Schulen, die ich gesehen habe, sahen nicht nur aus wie "Bullerbü", in ihnen fühlte es sich auch so an. Gegenseitiger Respekt stand nicht zur Diskussion, laute Kinder gab es zwar auch, aber es hatte alles mehr Stuktur. "Lernen am Modell" war das Zauberwort, das uns immer wieder entgegenkam. Ob die Kinder mittags in der Mensa aßen, stets zusammen mit ihren Lehrern oder ob sie am Unterricht teilnahmen. So leise wie die Lehrer waren, waren es die Kinder auch. Ein rhythmisierter Unterricht war das zweite Zauberwort (hat mich daran bestärkt, dass es auch in Deutschland guten Unterricht geben kann, denn in meiner Schule ist sehr viel rhythmisiert) Dass die finnischen Schulen sehr viel besser ausgestattet sind als unsere ist auch ein Unterschied: In jedem Klassenraum stand ein Klavier, alle Klassen verfügten über Beamer, Leinwand, PC, CD Player usw. Der Migrationshintergrund ist auch in Finnland nicht wegzudenken, aber mein Eindruck war, dass dort anders damit umgegangen wird. Wir waren án einem Tag in einer Schule ganz im Osten von Helsinki mit sehr vielen Kindern mit Migrationshintergrund. Alle nicht muttersprachlich finnisch sprechenden Kinder wurden ein Jahr vor ihrer Einschulung separat unterrichtet, um an Sprache und Kultur herangeführt zu werden. Anschließend kamen sie in die Klasse, die ihrem Alter entspricht.
Bildung ist in Finnland sehr wichtig und wertvoll. Es wird viel investiert.

Herzlichst, Beate Krusche
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