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Verbesserung des Bildungssystems
» Beteiligte
Erika Valder, Wolfgang Libera, Beate Krusche, somed, Semi, iko, Johanna, Kreuzberger Mama, Single-Dad-Berlin, Plautens,Grinsekatze, nithom, schokofrosch, Charly, emanzipation_jetzt, Späte Mutter, Ute, Tessa, martinstefan, Weisekiez, ebbi, uli, Mama im Kiez, heinrich, Prof. Dr. Uslucan, Mama aus Kreuzberg


» Kurzbeschreibung
Die Teilnehmenden bemängeln den niedrigen Stellenwert der Bildung in Berlin mit zunehmendem Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Die Schulen seien marode und in einem schlechten baulichen Zustand, das Lehrmaterial alt und unmodern.
Als Vorbild hervorgehoben wird insbesondere das Finnische Modell.


» Langfassung
Höhere Priorität für Bildung:

Es wird bemängelt, dass dem Bereich Bildung seit langer Zeit und unabhängig von den jeweils Regierenden nicht genügend Priorität zukommt. Trotz des Konjunkturpakets wären die Schulen ausgestattet wie zur Zeit der Elterngeneration und verfügten nur über veraltete Lehr- und Lernmittel, die die Lehrer zum Teil aus eigener Tasche bezahlen (z.B. Kopien der Arbeitsblätter). Statt in Großprojekte zu investieren, sollte die Ausstattung der Schulen modernisiert und mehr Lehrpersonal eingestellt werden. So wären wie im Beispiel Charlottenburg viele Schulen marode und in einem miesen baulichen Zustand, die Sitzmöbel uralt und unergonomisch. Infolge der Krankheit/Fortbildung/Vollversammlungen von Lehrern käme es zu Unterrichtsausfällen, die durch den Lehrermangel nicht kompensiert werden können.

Die Musikschulen müssten aus Geldmangel ihre ohnehin schlecht bezahlten Lehrer entlassen.
In Halbtagsgrundschulen würde die Betreuung oftmals u.a. wegen Vollversammlung, Fortbildung der Pädagogen, an Brückentagen etc. ersatzlos ausfallen, was mit dem Beruf der Eltern nicht vereinbar sei.

Trotz Geburtenrückgang sollten keine Lehrerstellen gestrichen werden und mehr Gesamtschulen entstehen, die Klassen nicht erst bei einer Größe von 30 Kindern teilen und Schule und Bildung für alle möglich machen, angefangen beim kostenfreien Mittagessen und Lehrmittelfreiheit.
Diese Priorität verlangt auch, dass Ausgaben, die nicht unmittelbar einen praktischen Nutzen für die Kinder haben, äußerst kritisch zu prüfen sind, z.B. der echte und konkrete Nutzen von Tests an den Schulen (Beispiel Entwicklung und Durchführung von Spracheingangstests, VERA u.ä.: für wen sind die Ergebnisse relevant und wie groß ist deren tatsächlicher Nutzen für die konkrete Verbesserung vor Ort, wird die eventuell gegebene Verbesserungsmöglichkeit in den Einrichtungen auch umgesetzt?) Stichwort: kritische Hinterfragung des finanziellen Aufwandes für bürokratischen Aktionismus.

Desweitern müßten bei der Berechnung des Kosten/Nutzenfaktor im Bildungsbereich auch unbedingt die langfristigen gesamtgesellschaftlichen Mehrkosten (Sozialämter, Gesundheitsämter, Justiz) durch Versäumnisse bei der Betreuung und Bildung der nächsten Generation mitkalkuliert werden.


Schulen nach finnischem Vorbild:

Berlin sollte sich stärker an den finnischen Verhältnissen orientieren (Pisa-Sieger, kleine Klassen, "Experten" kommen in die Schulen, sehr gute Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule, höheres Ansehen des Lehrerberufes, Investition in Bildung u.v.m.).
In Finnland wäre die Lehrerausbildung zunächst für alle Lehrer gleich, d.h. Lehrer für Kindergarten (sind dort nicht "nur" Erzieher), Grundschule, Gymnasium oder Förderschule machen eine Grundausbildung an der Uni und spezialisieren sich erst danach. Der Unterricht habe mehr Stuktur / Rhythmus und orientiere sich am "Lernen am Modell", ob beim gemeinsamen Mittagessen mit den Lehrern oder im Unterricht.
Die finnischen Schulen seien besser ausgestattet als die Berliner: so gäbe es dort beispielsweise ein Klavier, alle Klassen verfügten über Beamer, Leinwand, PC, CD Player usw.
Die nicht muttersprachlich finnisch sprechenden Kinder wurden ein Jahr vor ihrer Einschulung separat unterrichtet, um an Sprache und Kultur herangeführt zu werden. Anschließend kämen sie in die Klasse, die ihrem Alter entspricht.

Oberschulreform:

Es gäbe bislang nur wenige reformierte Oberschulen in Berlin, die den Kindern moderne Lernorte bieten mit (frischem selbstgekochtem Bio)-Schulessen, täglichen und verschiedenen Sportangeboten für alle Schüler, rhytmisiertem Unterricht, Kochen- und Ernährung als Schulfach, Hausaufgabenbetreuung, Hortmöglichkeit bis Klasse 9. Allerdings wird angesichts Berlins finanzieller Situation auch die Bezahlbarkeit Solcher Forderungen wie zum Beispiel Bioessen angezweifelt.

Betreuungslücke der 5.+6. Klasse schließen:

Angesichts der großen Kinderarmut, hohen Anteil allein erziehender Mütter und Väter und einem sehr hohen und weiter steigenden Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund solle der Berliner Senat präventiv handeln und die Rahmenbedingungen der schulischen Bildungs-, Betreuungs- und Förderungszeit verbessern, um allen Kindern unabhängig von Ihrer Herkunft die gleichen Entwicklungs-, Bildungs- und damit Zukunftschancen zu sichern. Im Jahr 2005 wurden die Horte aus dem Bereich der Kindertagesstätten an die Grundschulen verlagert, um dort in die pädagogischen Ganztagskonzepte eingebunden zu werden und die Entwicklung der Kinder in allen Kompetenzfeldern ganzheitlich zu fördern. Dies sei bislang nicht hinreichend geschehen und Horte und Schule bestünden vielerorts nebeneinander, während die Qualitätsstandards nicht verbindlich beschlossen wurden. Um die Betreuungslücke in der 5.+6. Klasse zu schließen, soll dieses Angebot allen Kindern der Grundschule ohne Bedarfsprüfung bis 18:00 Uhr zur Verfügung stehen. Für die qualitative Weiterentwicklung der schulischen Ganztagsangebote für die 5 — 12 Jährigen werden folgende Punkte angeführt:
- Hort auch für die 5.+ 6. Klasse & Wegfall der Bedarfsprüfung
- Mittagessen für alle
- Personalschlüssel 1:16 statt 1:22 und mehr Personal für behinderte Kinder
- 2 Tage verpflichtende Fortbildung orientiert am Bildungsprogramm
- alternativ: die gebundene Ganztagsschule, bei der keine Betreuungslücke in der 5. und 6. Klasse entstünde, und die Hausaufgabenbetreuung in den rythmisierten Tagesablauf eingebettet werde.
- die Späthortbetreuung in der Schule über vierte Klasse hinaus anbieten

Kleine Schulklassen & Betreuung:

Es wird gefordert, dass es auch für Kinder ohne Behindertenstatus, aber vielen Nachhilfestunden und Medikamentengaben (bei ADHS) der Besuch von Kleinschulklassen ermöglicht wird. Zusätzlich sollten mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen eingestellt werden.

Förderung von individuellem Lernen und Gruppenarbeit:

Der Unterrichtsstil müsse sich grundlegend verändern. Anstelle des derzeitigen Frontalunterrichts sollte individuelles Lernen und Gruppenarbeit stärker gefördert werden.

Kulturanthropologische Berater bei Konzeptionierung des Lehrmaterials

Der Spracheingangstest weise Bilder auf, die für viele muslimische Kinder schockierend seien (z.B. Frauen im knappen Bikini, küssende und sich in der Öffentlichkeit berührende Männer und Frauen). Fünfjährige, die bei ihrem ersten Kontakt mit einer Schule alleine einem solchen Test ausgesetzt werden, würden nicht unter objektiven Bedingungen getestet.
Bei der Konzipierung von Schultests und Schulbüchern, v.a. für die Grundschule, sollten kompetente kulturanthropologische Berater hinzugezogen werden und Lehrer stärker auf unterschiedliche kulturelle Hintergründe ihrer Schüler geschult werden.

Bessere Ausbildung der Lehrer:

Obwohl auf der Grundlage einer neuen Studie angezweifelt wird, dass die Klassengröße tatsächlich Auswirkungen auf den Lernerfolg hat, plädieren die Teilnehmenden für eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte und Schaffung eines besseren Ansehens dieses Berufes, bei dem man sich heute oft als "faul und unfähig hinstellen lassen" müsse.
Indem mehrere Lehrer, Sozialpädagogen, pädagogische Mitarbeiter, Ergotherapeuten, Logopäden, Förderschullehrer usw. zusammen in einer Klasse unterrichten, hat es den Vorteil, dass nicht ein Lehrer verantwortlich ist, sondern auch gegenseitig intern hospitiert wird.

Früheinschulung / Rückstellungsmöglichkeiten:

Berlin sei eines der wenigen Bundesländer, bei der das Kriterium der Schulreife keine Rolle spiele und Kinder mit 5 1/2 Jahren eingeschult würde, obwohl sich Experten — Lehrer, Psychologen, Erziehungswissenschaftler, Bildungsforscher etc. - einig seien, dass die Früheinschulung negative Folgen habe, und diese an den Zahlen der Kinder ablesbar sind, die die dritte Klasse wiederholen, bzw. die keine Gymnasialempfehlung erhalten. Ohne wesentlich mehr Personal und kleine Klassen könnten LehrerInnen nicht auf die besonderen Bedürfnisse der Jüngeren eingehen.
Die Eltern könnten eine Früheinschulung trotz Gesetzeslockerung nicht wirklich verhindern und eine Rückstellung durchsetzen. Die Gesetztesänderung vom 26. Januar 2010 sieht wieder die Möglichkeit vor, Kinder vom Schulbesuch zurückstellen zu lassen (ohne I-Status!). Dies ginge aber nur mit Hilfe des Schulpsychologischen Dienstes oder Gutachten vom Kindergarten, Kinderarzt und/oder Logopäden/Ergotherapeuten.
Einige Eltern fühlen sich als Verantwortliche für eine psychisch gesunde Entwicklung ihrer Kinder nicht ernst genommen, sondern eher entmündigt und durch offizielle Äußerungen des Bildungssenators in ihren Belangen ignoriert. So wird darauf verwiesen, dass das bei Pisa so erfolgreiche Finnland erst mit 7 Jahren einschule.
Es mangele an einer klaren Informationspolitik, unter welchen Umständen nach der aktuellen Gesetzesänderung eine Rückstellung doch möglich sei und wer eine unabhängige Beratung durchführe.

- Beispiel für Rückstellung von Einschulung: Die Waldorfschule Mitte, Außenstelle Prenzlauer Berg böte für Kinder, die nach dem 30.06. geboren sind, Brückenklassen, die den Kindern noch Zeit zum Reifen geben.

Freie Schulwahl:

Dieses Thema wurde sehr kontrovers diskutiert, so sind die einen der Meinung, die Eltern würden entmündigt, wenn sie die Schule nicht frei wählen dürften, die anderen befürchten, dass dadurch die Segregation bzw. ethnische oder schichtspezifische Homogenisierung bestimmter Schulen noch verstärkt wird. Ein stärkerer Wettbewerb, der die Schulen zwingt, sich als attraktiv und gut ausgestattet zu präsentiert wird von einigen als hilfreich angesehen, um diese Prozesse zu stoppen. Andere sehen hierin gerade einen Faktor, der die Trennung der verschiedenen Schichten noch vorantreiben könnte.

Mehr Hilfe zur Orientierung:

Der Berliner Bildungsplan sollte mehr Hilfestellung für Jugendliche bei der Orientierung ins Berufsleben geben und zur besseren Ausbildungssituation beitragen. Jedoch müssen nach Ansicht einer Nutzerin dafür die Eltern stärker in die Pflicht genommen werden, bzw. schon die Grundschulen durch Vorbildfunktion (siehe Finnland: Lernen am Modell) mitwirken.
Sich richtig zu präsentieren, könne schon früh geübt werden, zum Beispiel durch das Vorlesen lassen kleiner Geschichten mit besonderem Blick auf Präsentationsregeln (Blickkontakt, Augenhöhe, gegenseitige Wertschätzung, Rücksicht usw.).

Besondere Bildungsangebote:

- Jeki (jedem Kind sein Instrument): manche Bundesländern wie zum Beispiel NRW und HH ermöglichen das Projekt Jeki (jedem Kind sein Instrument), was auch für Berlin gewünscht wird. - Dem Musikunterricht in den Schulen solle generell wieder ein höherer Stellenwert gegeben werden und auch in der Lehrerausbildung berücksichtigt werden.
- Schulgartenunterricht bzw. zumindest Töpfe und Balkonkästen und Besuche von Parks und Gärten.
- eine SozialarbeiterIn/PsychologIn für jede Grundschule
- im Sinne der Sportförderung der Jugendlichen und Kinder sollten Sporthallen in den Ferien und an Brückentagen nicht geschlossen werden und darüber regelmäßiges Vereinstraining ermöglichen

Mehr Elternarbeit bzw. bessere Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern:

Durch das Verzahnen von Elternhaus und Schule, Öffnung und Transparenz auf beiden Seiten, gäbe es viel mehr Möglichkeiten für Kinder.
Die Lehrerin und der Erzieher sollten etwaige Probleme unter den Kindern nicht zur kurzzeitigen Entlastung auf die Eltern abwälzen und Elternarbeit nicht auf Brötchenschmieren zu Fasching beschränken. Statt dessen wird ein fröhliches, respektvolles und (meistens)harmonisches Miteinander von engagierten LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern gefordert. Dies könne nur funktionieren, wenn beide Seiten offen füreinander sind. Es gäbe Lehrer, die wollen sich "nicht in die Karten" schauen lassen und Eltern, die verharmlosen ihre Erziehungsprobleme.
Der eigentliche Lehrauftrag habe sich zu Lasten des Erziehungsauftrags ins Ungleichgewicht verschoben. Lehrer leisten viel mehr Erziehungsarbeit als vorgesehen. Die gegenseitige Schuldzuschiebung sei nicht hilfreich. Besser sei ein "Runden Tisch", bei dem Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen. Voraussetzung sei jedoch eine generelle Offenheit.

Vorschlag: Ausschreibung eines „Ideale Schule“-Profils anhand speziell erarbeiteter Kriterien, für das Schulen sich bewerben können.

Elternbildung im Kiez

Anbieter von Deutsch- / Integrationskursen sollten mit den (Grund-)schulen der Kinder zusammenarbeiten, um die wichtigsten Kommunikationen zu fördern, die im Bereich Schule bewältigt werden müssen, z.B. Tür-und-Angel-Gespräche mit Pädagog(inn)en, Small-Talk mit anderen Eltern, Gespräche mit dem Kind über die Schule, Elterninfos / Mitteilungen / Aushänge lesen (z.B. die Infos zu VERA, die für viele Eltern nicht verständlich waren), Elternabenden folgen und sich selbst zu Wort melden, Elterngespräche etc. Das sei die „Fachsprache“, die die Eltern beherrschen müssen, wenn sie ihrem Kind helfen wollen.
Außerdem wäre es wichtig, die interkulturelle Kompetenz der Eltern zu schulen, z. B. in Bezug auf Geburtstagsfeiern (das Kind darf hingehen, das Kind darf selbst Geburtstag feiern, bei mangelndem Platz auch gerne im Park: das Kind als Individuum an seinem Ehrentag wahrnehmen, die Kinder leiden darunter, wenn sie in der Klasse außen vor sind). Die Angst vieler Eltern vor Besuchen bei fremden Kindern („Dort kann so viel passieren“) muss ernst genommen, den Eltern aber auch behutsam genommen werden (beim ersten Besuch mitgehen, die andere Familie kennen lernen, zum Gegenbesuch einladen …).
Von den an den Grundschulen stattfindenden Elternkursen könnten auch die Eltern, die nicht an den Kursen teilnehmen, eingeladen werden, damit man ins Gespräch kommt oder sich kennenlernt.




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